„Zur Not helfe ich mit Leberwurst nach“

Diesen Beitrag teilen

„Zur Not helfe ich mit Leberwurst nach“

Gabi Stickler liebt kreative Fotografie und ihren Golden Retriever Mali. Die Bilder, die sie vorwiegend mit dem Tamron SP 24-70mm F/2.8 Di VC USD aufnimmt, erzählen oft kleine humorvolle Alltagsgeschichten.

Warum und wie bist Du Fotografin geworden?

Gabi Stickler: Ich bin keine gelernte Fotografin. Vor etwa zwölf Jahren hatte ich mir eine DSLR gekauft. Eine Sony Alpha 350 mit dazugehörigem Kit-Objektiv, dem so genannten Joghurtbecher. Mit dieser Kamera habe ich dann im Sport-Modus ein paar Wochen lang geknipst und ziemlich schnell die Lust daran verloren. So verschwand die Kamera im Schrank und geriet erst einmal in Vergessenheit. Vor etwas mehr als zwei Jahren fiel mir dann diese Kamera beim Aufräumen wieder in die Hände. Neu motiviert durch unseren Hund, den ich unbedingt mal hübsch fotografieren wollte, habe ich wieder begonnen im Automatik-Modus zu fotografieren. Allerdings waren die Bilder von meinem umhertollenden Hund immer unscharf, so dass ich bald anfing, mich in Internetforen über Begriffe wie Blende, Verschlusszeit, ISO & Co. schlau zu machen. Zunächst war das ein Buch mit sieben Siegeln und ich habe viel gegoogelt und mich langsam herangetastet. Nachdem mir klar wurde, dass ich meinen Hund in Bewegung am besten mit 1/1000 Belichtungszeit oder noch kürzer fotografieren sollte, war auch klar, warum das im Automatik-Modus, der meist 1/500 gewählt hatte, nicht funktionieren konnte. So fing alles an.

Was reizt dich an der Fotografie?

Gabi Stickler: In der Fotografie kann ich mich kreativ ausleben. Ich mag es, durch Bilder eine Geschichte zu erzählen. Aus dem Grund ist auch mein Projekt mit „Mali & sein Teddy“ entstanden. Insgesamt habe ich 55 Bilder gemacht, die jedes für sich eine Story erzählen und alle zusammen eine große Geschichte. In der Fotografie bedarf es keiner Worte und so hat dieses Projekt weltweit Wellen geschlagen. Es erschienen Artikel über uns in vielen Sprachen und wir wurden in zahlreichen Zeitschriften abgedruckt. Mali und sein Teddy werden im nächsten Jahr sogar auf Schulartikeln zu sehen sein und auch als Kalender.

Hast Du Lieblingsfotos?

Gabi Stickler: So richtige Lieblingsfotos habe ich nicht. Auf meinen Bildern ist zu 90 Prozent mein Hund zu sehen, und er ist mein Liebling. So sind das also alles irgendwie Lieblingsfotos.

Worauf legst Du bei Deinen Aufnahmen besonderen Wert?

Gabi Stickler: In den letzten zweieinhalb Jahren ist mein Anspruch an meine Bilder enorm gestiegen. Besonderen Wert lege ich darauf, dass der Fokus auf den Augen liegt. Die Augen sind der Spiegel der Seele. Das ist nicht nur ein abgedroschener Satz. Scharfe, glänzende Augen ziehen den Blick des Betrachters sofort auf sich, sie wecken Emotionen. Und genau das möchte ich erreichen.

Woher nimmst Du die Inspiration für immer wieder neue, frische Bilder?

Gabi Stickler: Mittlerweile habe ich den Ruf, besonders kreative und lustige Ideen umzusetzen. Inspiration ist oft der Alltag. Wenn mein Hund Mali beim Essen über die Kante des Küchentischs schaut, dann rattert es direkt in meinem Kopf. So entstand dann die Idee, dort einen Donut hinzulegen und einen Kuschelspielzeughund ebenfalls über die Kante schauen zu lassen. Was ich selbst süß und lustig finde, kam bisher auch bei meinen Facebook-Followern sehr gut an. Oft fallen mir auch nachts gute Ideen ein. Aus dem Grund habe ich ein kleines Notizbuch neben dem Bett liegen. Sonst ist der Einfall ganz schnell wieder weg. Allerdings gibt es Zeiten, und das wird wohl jeder Fotograf kennen, in denen man einfach keine Motivation hat, zu fotografieren. Man sollte das dann auch nicht erzwingen und sich eine kleine Auszeit nehmen.

Hast Du fotografische Vorbilder?

Gabi Stickler: Ehrlich gesagt habe ich keine. Vorbilder sind mit Sicherheit toll, um sich weiterzuentwickeln und inspirieren zu lassen. Allerdings habe ich die Befürchtung, dass ich mich zu sehr an einem Vorbild orientieren würde und so meine Individualität verlieren könnte. Ich möchte mich von der Masse abheben und hierfür versuche ich, meinen eigenen Stil zu finden und eigene Ideen umzusetzen. Ich schaue mir sehr gerne die Bilder anderer Fotografen an, aber versuche ganz bewusst, mein eigenes Ding zu machen.

Wie wichtig ist die Technik für Dich? Was muss die Technik leisten?

Gabi Stickler: Von März 2014 bis Juni 2015 habe ich mit der alten Sony Alpha 350 fotografiert. Meine Bilder kamen in Fotografie-Foren, in Fotografie-Gruppen auf Facebook und auf View.Stern sehr gut an, so dass ich zunächst keinen Grund sah, mir eine aktuelle Kamera und ein hochwertigeres Objektiv zuzulegen. Mit der Zeit wurde mein Wunsch nach einer besseren Kamera und einem lichtstarken Objektiv dann aber doch stärker, denn mit meinem damaligen Equipment konnte ich keine hochwertigen Bilder in dunkler Umgebung machen. Bewegungsaufnahmen misslangen. Und so musste ich einsehen, dass die Zeit für eine neue Kamera und ein besseres Objektiv reif war. Mein Equipment wird auch sehr stark beansprucht. Ich fotografiere oft da, wo es nass und feucht ist. Dann werden Kamera und Objektiv auch schon mal mit schmutzigen Finger angefasst. Das sollte kein Problem darstellen.

Mit welchem Equipment arbeitest Du? Warum hast Du Dich dafür entschieden?

Gabi Stickler: Momentan arbeite ich mit der Sony Alpha 77 II und dem Tamron SP 24-70mm F/2.8 Di VC USD. Die Kamera ist toll und bietet mir alles, was ich brauche. Außerdem nutze ich für Makroaufnahmen mein Sony 50mm F/2.8 Macro. Die Hauptarbeit übernimmt aber das Standard-Zoomobjektiv von Tamron.

ISO 100 oder 3200? Wie entscheidest Du Dich und warum?

Gabi Stickler: Ich bezeichne meine Bilder gerne als „geplante Schnappschüsse“. Geplant, weil ich mir sehr genau den Ort und die Zeit und somit auch die Lichtverhältnisse aussuche. Schnappschüsse, weil man bei Tieren nie genau weiß, ob sie auch Lust haben, den Quatsch, den ich mir ausgedacht habe, mitzumachen. Zur Not helfe ich mit Leberwurst nach. Bei diesen geplanten Schnappschüssen würde ich mich immer für ISO 100 entscheiden. Bis maximal ISO 800 würde ich persönlich für ein solches Bild hochgehen. Bei Aufnahmen, die sich womöglich gar nicht wiederholen lassen, würde ich jedoch auch noch höher mit der ISO gehen. Wobei ISO 3200 mit meiner Kamera schon sehr grenzwertig sind und ich Fotografien mit hohem ISO-Rauschen weitestgehend vermeide, weil mir das nicht gefällt.

Wo würdest Du gerne einmal fotografieren?

Gabi Stickler: Mein Traum ist es, in Schottland zu fotografieren. Ich bin ein Naturmensch und liebe die schottische Landschaft und Weite. Am liebsten natürlich zusammen mit meinem Hund. Eine Schafherde in den schottischen Hügeln und mein Hund, gut getarnt, dazwischen. Das wär´s!

Welchen Eindruck hast Du von Tamron-Objektiven gewonnen?

Gabi Stickler: Das Tamron SP 24-70mm F/2.8 Di VC USD ist wie für mich geschaffen. Ich liebe es wirklich! Seit Anfang des Jahres darf ich es mein Eigen nennen und eine andere Brennweite habe ich bisher nicht vermisst. Für meine Art von Bildern ist es ideal. Die 24mm erlauben es mir, mich nah bei den Hunden aufzuhalten. Das Objektiv samt Kamera kann ich mit einer Hand halten, so dass ich mit der anderen Hand die Hunde mit Leckerchen belohnen und animieren kann, in die Kamera zu schauen. Ich bin gerne nah am Motiv und das ist auch mit 70mm noch sehr gut möglich. Außerdem ist es mit Offenblende F/2.8 so lichtstark, dass ich auch indoor mit vorhandenem Licht schöne Bilder machen kann.

Wie lange muss man sich mit einem Hund beschäftigen, bis er so kooperativ mitmacht, wie Mali?

Gabi Stickler: Ich trainiere mit Mali im klassischen Sinne überhaupt nicht. Was er kann, haben wir während unserer Spaziergänge ausprobiert. Viel kann er auch gar nicht. Sitzen und glotzen oder auf der Seite liegen bleiben, das kann er. Aber Mali ist einfach eine faule Socke und nutzt die Zeit zum Ausruhen. Auf den Rücken drehen und liegen bleiben kann er auch. Was er ganz toll macht, ist „Leg´s Köpfchen“. Und zusammen mit dem Kommando „Bleib“ kann ich ihm auch Dinge auf die Nase legen. Das A und O ist meiner Meinung nach die Belohnung der Hunde. Malis Hundekumpels, die ich unter der Woche öfter mal mitnehme, haben ruckzuck gelernt, was ich von ihnen möchte. Da hat die Leberwurst sicherlich ein ganzes Stück mitgeholfen.

Hast du ein bestimmtes Zitat, das dir aus dem Herzen spricht?

Gabi Stickler: Ich mag das Zitat von James Wayne sehr, der sagte: „Fotografie ermöglicht uns, nicht nur Erinnerungen festzuhalten, sondern auch welche zu kreieren.“ Das passt einfach zu meiner Art der Fotografie. Die Situationen, die ich festhalte, sind echt. Dahingehend habe ich einen großen Realitätsanspruch und hier liegt auch die Herausforderung, wenn ich einfach mal „was anderes“ zeigen will. Wo die Realität bei mir einen nicht so großen Stellenwert hat, ist bei der Farbgebung und bei kleinen Details in meinen Bildern. So kann es sein, dass ich mal zwei Wolken in den vorher langweiligen Himmel hinein setze oder auch mein geliebtes Gänseblümchen digital einpflanze.

Über den Autor: Gabi Stickler

Gabi Stickler, Jahrgang 1980, begann erst vor zweieinhalb Jahren sich ernsthaft mit Fotografie zu beschäftigen. Was sie in dieser Zeit – gemeinsam mit ihrem Lieblingsmotiv, dem Golden Retriever Mali – an kreativen Bildern geschaffen hat, ist außergewöhnlich. Der Wandkalender mit der Motivserie „Mali & Teddy” sowie der siebte Platz beim renommierten Fotowettbewerb „Blende“ im Jahr 2015 geben Auskunft über ihr Talent. Gabi Stickler lebt in Alzenau, zwischen Aschaffenburg und Frankfurt/Main.

Erfahren Sie mehr über den Autor bei:

Ähnliche Artikel